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D’Equevilly (1908)

von Jürgen Wagenknecht (1:72 Eigenbau)

D’Equevilly (1908)

Zum Vorbild

In der Anfangszeit der Fliegerei gab es viele aus heutiger Sicht skurrile Entwürfe. Einer dieser Entwürfe stammt vom Marineingenieur Marquis d‘Equevilly, der auch eine Maschine schwerer als Luft bauen wollte. Dabei ging es in seiner Konstruktion ziemlich rund zu. Der Rumpf des Flugzeugs bestand aus fünf elliptischen Rahmen, in denen der Pilot stand. Mit vertikalen und horizontalen Streben wurden zwei größere elliptische Rahmen mit dem Rumpf verbunden. Zwischen diesen Ellipsen waren beidseitig je fünf Flügel befestigt und einer durchgehend oben drüber. Später kam oberhalb dieses Flügels noch ein weiterer, etwas tieferer zusätzlicher Flügel hinzu, so dass am Ende ein Siebendecker entstand.

D’Equevilly (1908)

Der Motor war innerhalb des Rumpfes in einem diesmal kreisförmigen Gestell untergebracht, welches eine ebenfalls kreisförmige Ausbuchtung für den Motor besaß. Als Antrieb diente ein luftgekühlter Dreizylinder-Fächermotor von Buchet mit ca. 7 – 12 PS. Die Motordrehzahl wurde bei dem Übertrieb zu dem höher gelegenen Metallpropeller von 1.500 1/min auf 500 1/min reduziert, was darauf hindeutet, dass hier nicht viel gerechnet wurde. Der äußere Rahmen ruhte auf einem vierrädrigen Gestell, wobei die hinteren Räder kleiner und die vorderen etwas abgekröpft waren, so dass sich für die Flügel eine Schrägstellung ergab. Auf Steuerungselemente wurde verzichtet. Darum wollte sich der Marquis erst kümmern, wenn die Flugfähigkeit seiner Maschine bewiesen ist. Somit musste er sich damit nie auseinander setzen.

D’Equevilly (1908)

Die Maschine wurde 1907 konstruiert und 1908 wurden Versuche durchgeführt. Im Juni 1908 wurde sie stark beschädigt, als die Garage, in der sie abgestellt war, brannte. Ende 1908 wurde dann ein neuer Anlauf mit einer stark veränderten Maschine gestartet.

Quellen: Enzo Angelucci: Flugzeuge - Von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg; Leonard E. Opdycke: French Aeroplanes before the Great War; Fliegerrevue Jahrgang 11, Heft 42

D’Equevilly (1908)

Das Modell

Die sehr ungewöhnliche Form der D‘Equevilly hatte es mir schon lange angetan und jetzt habe ich mich an sie herangetraut. Vorteilhaft war hier, dass sie recht gut dokumentiert ist. So ist die Länge des Rumpfes mit 2 m bekannt, ebenso die Spannweite mit 5 m. Hier sind sich auch die unterschiedlichen Quellen einig. Zudem gibt es mehrere Fotos, wobei eines fast perfekt von seitlich und eines fast perfekt von vorne entstanden ist, so dass man die fehlenden Maße sehr gut ermitteln kann. Zuerst habe ich alle Maße erfasst und mit Hilfe eines CAD-Programms in ein 3D-Modell übertragen. Dabei kann man sich schon sehr gut überlegen, wie man die einzelnen Baugruppen bauen möchte.

D’Equevilly (1908)

D’Equevilly (1908)

Über den Antrieb ist bekannt, dass es sich um einen Buchet-Fächermotor handelte und zu diesem habe ich auch hervorragende Fotos im Web gefunden, da er offensichtlich auch in einem Motorrad zum Einsatz kam, welches noch existiert. Somit gab es gute Farbfotos. Die auffällige Vergaserleitung vom Motorrad kann man auch sehr gut auf den Fotos der D‘Equevilly erkennen. Mit der CAD-Zeichnung konnte ich maßstäbliche Seitenansichten ausdrucken, die dann die Basis des weiteren Baus waren.

Der Bausatz bestehend aus Draht, Styrodurstempel, Holzplatte mit Bohrungen sowie Evergreenprofilen
Der Bausatz bestehend aus Draht, Styrodurstempel, Holzplatte mit Bohrungen sowie Evergreenprofilen

Alle kurvigen Elemente wollte ich auf die gleiche Art erstellen, wie ich meine Reifen bereits schon öfters herstellte, d. h. den Draht mehrfach um eine entsprechende Form wickeln, einschneiden und an der Trennstelle verbinden. Bei den Ellipsen stellte sich allerdings die Frage, wie ich an eine entsprechende Ausgangsform, d. h. den Stempel für die Wicklung komme. Bei einem kreisförmigen Element findet man immer einen passenden Zylinder, bei einer Ellipse ist das was anderes. Ich habe dann hierfür aus der Frontansicht des ausgedruckten Dreiseitenrisses jeweils die Ellipsen ausgeschnitten und mit Heftzwecken auf eine Styrodurplatte befestigt. Dann wurde der Stempel anhand der Ellipsenkontur mit einem Skalpell ausgeschnitten. Dabei muss man darauf achten, den Stempel möglichst gerade auszuschneiden, damit er nicht konisch wird und somit die Ellipsen unterschiedliche Maße bekommen. Die Schnittkanten habe ich mit Tesafilm verstärkt, so dass sich der Draht beim Wickeln nicht eindrückt.

D’Equevilly (1908)

Als Draht habe ich 0,5 mm Draht von einer Rolle aus dem Baumarkt verwendet. Noch dünneren Draht habe ich mich wegen der benötigten Stabilität nicht getraut zu verwenden. Zudem muss der Draht eine ausreichende Biegefähigkeit aufweisen, sonst klappt es nicht. Den Draht, den ich verwendete, konnte man noch mit der Schere teilen, was die Ablängung der benötigten geraden Teilstücke deutlich vereinfacht hat. Die Ellipsen wurden an der Trennstelle mit Sekundenkleber verbunden.

D’Equevilly (1908)

Für die Herstellung des Rumpfes wurde eine Draufsicht auf eine Holzplatte geklebt, und an den Stellen, wo die Längsträger ansetzen jeweils ein Loch gebohrt. Es stellte sich als vorteilhaft heraus, nur vier gerade Drähte in die Löcher zu stecken und dann die erste Ellipse anzukleben. Um den korrekten Abstand zu erhalten, hatte ich aus Evergreenprofilen einen entsprechenden Abstandshalter gebastelt. Sobald die erste Ellipse verklebt war, kam der Abstandshalter auf die Ellipse und die zweite Ellipse konnte angebracht werden. So ging es weiter, bis alle fünf Ellipsen im korrekten Abstand mit den Längsträgern verbunden waren. Dann wurden die noch fehlenden Längsträger angebracht. Versucht man, an die erste Ellipse gleich alle Längsverbinder anzukleben, wird das Einfädeln der anderen Ellipsen recht mühselig. Zum Schluss wurden alle Längsverbinder korrekt abgelängt.

D’Equevilly (1908)

Bei den äußeren Ellipsen ist das etwas komplizierter, denn hier befinden sich die Längsstreben zwischen den Ellipsen und nicht an der Außenseite. Somit markierte ich auf den Ellipsen die Befestigungspunkte mit einem Permanentmarker, schnitt die Längsstreben auf die gewünschte Länge ab und klebte diese an die erste Ellipse. Zuerst nur vier Streben, in Nord-, West-, Ost- und Südposition. Dann wurde die zweite Ellipse drauf geklebt. Zum Schluss kamen die noch fehlenden Streben. Mit den Verbindungsstreben wurde der Rumpf mit dem äußeren Ellipsenrahmen verbunden. Anschließend kamen die Flügel dran.

D’Equevilly (1908)

Bei den Flügeln baute ich das Gerippe aus 0,5 mm Evergreenprofilen, bemalte sie mit Revell Aqua-Color Afrikabraun und brachte mit Ölfarbe eine Holzmaserung an. Dann wurden sie mit Spannpapier beklebt, welches ich aus den Renwalbausätzen noch übrig hatte. Die Flügel wurden über Nacht vorgebogen, indem ich sie mit einem Gummi um ein Glas band. Am nächsten Tag wurden sie dann zwischen die Ellipsen eingesetzt.

D’Equevilly (1908)

Als nächstes kam der Motor dran, der aus verschiedenen Evergreenprofilen und Draht besteht, die Zündkabel aus Angelgarn. Im Gegensatz zum Anzani-Fächermotor aus der Bleriot XI hat der Buchet-Fächermotor keinen Zylinderwinkel von 60°, sondern von 45°. Insgesamt besteht dann das kleine Motörchen aus über 30 Einzelteilen inkl. Vergaser. Das Motorgestell wurde wieder aus Draht gebogen, diesmal aber rund. Die Verbindung mit den Streben wurde wie bei den äußeren Ellipsen ausgeführt. Die Halterung der Propellerwelle besteht wieder aus Evergreenprofilen, die Welle aus Draht und die Blechabdeckung aus einer Verpackungsfolie. Die Löcher in der kreisförmigen Blechabdeckung wurden mit einer Stecknadel gesetzt. Für den Riemen oder Kette, hier sind sich die Quellen nicht einig, wurde einfaches Garn verwendet. Der Propeller besteht aus Draht, Evergreenprofil und Plasticsheet. Damit er auch drehbar ist, wurde die ganze Antriebswelle drehbar gestaltet. Für das Fahrwerk wurde deutlich stabilerer Draht genutzt, schließlich soll das ja halten. Die Felgen stammen wieder von dem Part-Ätzteilsatz.

D’Equevilly (1908)

Auf einigen Fotos der D‘Equevilly erkennt man den Marquis, wie er in den inneren Ellipsen steht. Mal aufrecht, mal leicht gebückt. Da man sonst am Modell überhaupt nicht erkennen kann, wo der Pilot seinen Platz hat, wollte ich hier auch eine Figur anbringen. Basis waren wieder meine noch vorhandenen Airfix-Figuren vom RAF-Personal. Hier gibt es eine leicht gebeugte Figur, die als Basis diente. Nach den ersten Amputationen in der Chirurgie (Kopf, Arme) wurden die Originalarme in geänderter Position angebracht. Den Kopf spendete der Offizier, der auch eine Mütze wie der Marquis auf den Fotos trägt. Zudem hat er auch noch einen Schnurrbart wie der Marquis. Die Konturen des Hemdes wurden abgeschliffen und aus Verpackungsfolie eine neue Jacke gebaut. Ist zwar nicht atmungsaktiv, aber der Marquis hat sich nicht beschwert. Dann konnte ich die Figur im Rumpf platzieren, wo sie sich jetzt an den Streben klammert.

D’Equevilly (1908)

Bei den recht kleinen Originalabmessungen ist das Modell natürlich auch recht winzig. Trotzdem sind von dem 0,5 mm Draht über 1,5 m verwendet worden, ebenso über 1,5 m vom Evergreenprofil 0,5 x 0,5 mm. Auch wenn am Ende nicht alles hundertprozentig perfekt gelungen ist, was aber bei mir nie der Fall ist, bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Somit habe ich einen weiteren Exoten für meine Sammlung bekommen. Auf den Fotos ist mir dann auch noch aufgefallen, dass der hintere Rumpfrahmen sich an der Verbindungsstelle gelöst hatte. Das ist natürlich schon wieder behoben.

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D’Equevilly (1908)

 

Jürgen Wagenknecht

Publiziert am 02. August 2021

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