Mayflower II sails again!REVELLS „große“ Mayflower als Nachbau aus 1957von Frank Brüninghaus / Klaus Rick (1:72 Revell)
Die Mayflower IIDer Blick in die Vergangenheit erschließt sich am besten, wenn man versucht, sie nachzuempfinden und die alten Dinge auszuprobieren. 1957 fuhr eine wagemutige Crew mit dem Nachbau einer kleinen englischen Galeone über den Atlantik und war erstaunt über die Leistungen des ihnen unbekannten Schiffstyps. Professionell gesegelt fuhr die "tiny little Bark" fast 10 Knoten. Das VorbildUm sich beim amerikanischen Volk für die Unterstützung im 2. Weltkrieg zu bedanken entwickelte Warwick Charlton die Idee, ein verbindendes Glied der amerikanisch - britischen Geschichte nachzubauen und den Vereinigten Staaten zu schenken. Zusammen mit dem bekannten und in diesem Metier erfahrenen Marinearchitekten William Avery Baker sowie der Yachtwerft J. W. & A. Upham in Brixham, Devon, entwickelte Charlton den Plan, dieses schöne Schiff zu bauen und mit Devonshire-Stuff beladen ein zweites Mal eine Mayflower zur Plimoth Plantation zu schicken. Mit einer handverlesenen Crew aus 35 Mann, meist erfahrenen Berufsseglern, Offizieren von Heer und Marine sowie Journalisten segelte die Mayflower in nur 54 Tagen von Plymouth, England zur Plimoth Plantation in den USA. Mit dabei war auch Peter Padfield, später ein bekannter Marinehistoriker. Kurz bevor er starb konnte ich ihn noch zu ein paar Dingen auf der Mayflower II befragen. Unter dem Kommando von Alan Villiers, einem berühmten Seemann und ebenso erfahrenen Rahseglerkapitän machte die neue Mayflower eine rund 2000 Meilen längere Reise und war dabei um 10 Tage schneller als ihre berühmte Vorgängerin. Während der Reise traf die Mayflower mehrere moderne Flugzeuge - gern wurde sie mehrfach überflogen - und Schiffe - unter anderem einen Flugzeugträgerverband mit der HMS Ark Royal. Einer dieser Überflüge wurde von der Mayflower aus filmisch dokumentiert. Clubkollege Klaus Rick hat hierzu intensive Recherche betrieben und aus einen A-Model Bausatz der D.H. 104 Dove die richtige Maschine gezaubert, auf einen Acrylstab gesteckt wird die G-ANVC zukünftig zumindest auf Ausstellungen wieder an der Mayflower vorbeifliegen. D.H. 104 Dove G-ANVC beim Mayflower Vorbeiflug 1957Auf zum ersten Anachronismus: die Mayflower-Revival-Passage ist mit einem Super-8-Filmlogbuch dokumentiert, das bei Ausfahrt aus dem Ärmelkanal in den Atlantik eine „Taube" - eine DeHavilland D.H. 104 Dove - im tiefen Vorbeiflug auf Zelluloid bannt. Bei der damaligen Aufnahmefähigkeit ist die von steuerbord achtern anfliegende DeHavilland nur unscharf abgebildet, zwischen den Masten sind es kurze Momentaufnahmen. Mit dem Screenshot werden wenigstens die kontrastreichen Formen der Livery deutlich. Außerdem muß es zur damaligen Zeit eine regelmäßige Verbindung von Großbritannien auf die britischen Kanalinseln gewesen sein. Aber Fluggesellschaft und Kennzeichnung sind nicht erkennbar. Und dann hilft für den Dioramenbau das Internet mit einem Kennzeichnungsregister (www.rzjets.net wie auch www.wikipedia.org), die eine Überfliegende unter den 545 gebauten „Tauben" zu identifizieren: es kann nur die G-ANVC von Morton Air Services zu der Zeit auf der Route gewesen sein. Die Bildersuche geht weiter, und wir werden in der Spotterdatenbank www.airliner.net für Doves und Herons von Morton Air Services fündig: sogar Farbbilder für die Livery der Vögel wie von der G-ANVC, nach der Fotounterschrift 1965 wahrscheinlich nicht mehr im flugfähigen Zustand in London-Gatwick abgestellt.Anhand dieser Fotos entstehen die Airbrushschablonen aus selbstklebendem Krepppapier für die schwarz-blauen, stilisierten Schwingen auf Rumpf und Seitenleitwerk, als selbsterstelltes Decal der Gesellschaftsname „MORTON AIR SERVICES" und mit den guten, alten Aufreibebuchstaben die Luftfahrzeugkennzeichnung G-ANVC. Nach einigen Stunden Schleifen, Abkleben und Airbrushen mit Glanzlackfinish ist die D.H. 104 Dove für den Flugeinsatz im Mayflower Diorama bereit, Segler und Flieger sind im gleichen Maßstab 1:72.
Der Mayflower BausatzDer Bausatz aus der Mitte der 60er Jahre beinhaltet knapp 120 Einzelteile, Wanten und Vacusegel eingerechnet. Es gibt leider keine Takelblöcke wie bei anderen Revellseglern, überhaupt ist der Takelplan bestenfalls rudimentär. Nur zwei verschiedene Garnrollen liegen bei und ein etwas dickeres Ankerkabel. Nach Fertigstellung im Bauzustand 1957 waren an dem Modell fast 1000 Teile verbaut. Der Bau des Modells ging einfach von statten. Erste Arbeiten waren das Ausschneiden und neu Setzen der Fenster im Rumpfheck. Sie wurden gegen ein feinmaschiges Rautennetz ausgetauscht, die Scheiben mit Crystal Clear imitiert. Ich beabsichtigte den Einbau von kleinen Lämpchen... Auch der Ein- bzw Umbau der Rüsten mit den unteren Jungfern erfolgte solange die Rumpfhälften noch einzeln vor mir lagen. Mit einem sehr festen Zwirn wurden die Püttingsjungfern eingebunden und auf einer Stange binnenbords verzurrt. Auch die recht aufwändige Bemalung mit den Streifenmustern erfolgte an den einzelnen Rumpfteilen flach auf dem Tisch liegend.Gern aufgemalte Alterungsspuren entfallen nahezu gänzlich, da das Schiff neu war. Ein wenig Rost unter den Püttingen, abgeschrabte Farbe dort, wo die Kru ins Boot oder zurück aufs Schiff geklettert ist, sonst nichts . Die Farbgebung der alten Schiffe wird gern und viel diskutiert. Bei Mayflower II erübrigt sich dies, allein weil es jede Menge Farbfotos gibt und Baker selbst auf diese Frage ausführlich eingeht. Auf der Werft entschied man sich nach Hinweisen der schwedischen Archäologen aus Kalmar für einen deckenden Anstrich aus Ockertönen. Laut Baker hatte dieser Anstrich einen "pinkish hue", ein Phänomen das kürzlich nach dem Neuanstrich der Victory für einen Aufschrei in Britannien sorgte. Auf der WerftDie zwischendurch vorbereiteten Teile der Decksausrüstung kamen jetzt aufs Deck. Der anachronistische Ruderstand auf einer Gräting, der Kompaßschrank und die Kompaßsäule kamen an ihre Plätze auf dem Kampagnedeck. Die Standorte sind gut auf den alten Fotos zu sehen, in den Plänen von Baker finden diese Dinge keinen Niederschlag. Das Beiboot deckte ich mit einer Persenning aus Japanpapier zu - wenn es an Deck verzurrt war, benutzte die Kru das abgedeckte Boot gern zum "chillen". Die Stagtakelung, also das "stehende Gut" zum Stützen bzw. Aussteifen der Masten, setzte ich nach den Bakerplänen. Auf einigen der alten Fotos sind verdickte Taustücke zu sehen - "Tausendbeine" , die hier auf das Tauwerk gesteckt wurden um das Schamfilen der Segel an diesen Stellen zu verhindern. Das Ausweben der Wanten erfolgte weitgehend in der originalen Weise. An jeder vierten Webeleine war zusätzlich eine Tritt- oder Spreizlatte eingebunden. Alle Segel stellte ich aus dem bereits erwähnten Senkwa-Japanpapier zu 40 gr/qm her. Jedes Segel zeichnete ich einzeln, Fock- und Großsegel bestehen mit dem Bonnet aus zwei Tuchstücken . Der Zuschnitt erfolgte mit zwei Millimeter Saumzuschlag, hier klebte ich einen dünnen Messingdraht ein, um zum Einen die Segelkanten gegen einreißen zu sichern und zum Anderen um jedes Segel frei formen zu können. Die Segel bestehen aus bis zu 24 Einzelteilen, geklebt alle mit einem Holzleim aus belgischer Produktion. Die Segel sind mit einfachen Bändseln an den Rahen befestigt. Zum Schluss erhielten die Segel einen sehr dünnen Anstrich mit hellgrau eingefärbtem und verdünntem Holzleim was sie zusätzlich festigte. Die Nähte der Kleiderbahnen sind nur sehr dünn mit Bleistift gezeichnet - auf den alten Fotos der Mayflower II sind sie bestenfalls im Gegenlicht erkennbar.
Farbe bekennenEs gibt ein paar schöne Farbfotos der Mayflower, wo sie in jedem Masttopp und der Rutenpiek eine Flagge gehißt hat. Fröhlich flattern achtern das Red Ensign, das Georgskreuz im Besantopp, der Union Jack am Großmast und das Sternenbanner im Vortopp. Die drei britischen Flaggen - der Union Jack korrekt für die alte Mayflower ohne das rote irische Andreaskreuz - entstanden aus mit Revell-Aqua bemaltem Brillenputzpapier, das Star Spangled Banner zwar auch, hier hab ich allerdings getrickst. Niemand kann sauber einen halben Millimeter große, fünfzackige Sterne mit dem Pinsel oder wie auch immer malen, also suchte ich nach einer passenden US-Flagge als Decal. Die Streifen und die blaue Gösch wie erwähnt gemalt , auf die Gösch brachte ich ein zugeschnittenes Abziehbild mit den Sternen auf. Alle Flaggen ordentlich geknüddelt, in Leimwasser getränkt und wieder trocknen lassen konnten sie gesetzt werden. Bei Wind von backbord querab wehen die Flaggen nach steuerbord aus. All HandsDie 35 Mann starke Crew der Mayflower II bestand aus den unterschiedlichsten Männern jeder Altersgruppe. Und einer Katze. Felix, ein Jungtier das einige der Männer kurz vor der Abreise in Brixham aufgesammelt haben. Die meisten Figuren hatte ich im Fundus, Felix, die sitzenden und liegenden Sailors druckte Clubkollege Marc Breuer. Die Szenen mit der Kru sind an einige der Fotos angelehnt. Skipper Villiers, an Bord genannt "the old man", steht mit einem Crewmitglied in Pilgerkleidung auf der Poop.
Die Fotos der Mayflower II unter freiem Himmel wurden mit freundlicher Unterstützung von Atelier Ole Hill erstellt. LiteraturPeter Padfield, Crewmitglied Mayflower II: Mayflower II Diarys, Sketches from a Lost Age William A. Baker: Mayflower and other Colonial Vessels
Unbedingt anschauen: Internet / you tube-links: „New York wellcomes Mayflower II" (1957) USA Mayflower II arrives in New York (1957) Meeting of HMS Ark Royal and Mayflower II at sea (1957) Mayflower sails for America United States hails Mayflower II Mayflower sails again (Bau!) Film shows Mayflower II colorful 1957 voyage (Associated Press) Mayflower II Diary, Sketches from a lost Age (Flugzeug!) Frank Brüninghaus / Klaus Rick Publiziert am 07. August 2026 Die Bilder stammen von Frank Brüninghaus. © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |