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G.T.S. Finnjet

Reederei Finnlines, 1977

von Thomas Irle (1:400 Revell)

G.T.S. Finnjet

Zum Vorbild

Die G.T.S. Finnjet war eine legendäre finnische Gasturbinen-RoPax-Fähre, entworfen und gebaut für den schnellen Liniendienst auf der Ostsee zwischen Helsinki und Travemünde.

Zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung am 13. Mai 1977 war sie das größte und schnellste Fährschiff der Welt und sie hält bis heute den Geschwindigkeitsrekord für konventionelle Fährschiffe.

G.T.S. Finnjet

Mit einer Reisegeschwindigkeit von 30,5 Knoten (ca. 56,5 km/h) benötigte sie für die Strecke Helsinki/Travemünde (611 Seemeilen / ca. 1.131 km) 22 Stunden. Durch eine eingebaute Wechselcontaineranlage, mit der die Lade- und Hafenliegezeit auf zwei Stunden reduziert werden konnte, war es möglich, die Strecke Helsinki/Travemünde/Helsinki im 48-Stunden Rhythmus zu bedienen. Für die einfache Strecke verbrannten die beiden Gasturbinen 300 Tonnen Treibstoff, so dass in Helsinki während der 2 Stunden Liegezeit auch 600 Tonnen davon gebunkert werden mussten.Für den Fall eines Schadens an einer der beiden Gasturbinen wurde ständig eine dritte Ersatzturbine mitgeführt, die im Falle des Falles mit Bordmitteln innerhalb von 3 Stunden gegen die defekte getauscht werden konnte.

G.T.S. Finnjet

Mit ihrer Ausstattung und dem Service an Bord begründete die Finnjet den Schiffstyp der Cruise-Ferries und erwarb sich den Ruf als "Königin der Ostsee". An Bord gab es u. a. eine Sauna, einen Pool, mehrere Restaurants und Bars, eine Diskothek, moderne Konferenzräume, ein Kino, Boutiquen und ein Fitness Center.

G.T.S. Finnjet

Im Laufe seiner Dienstzeit erfuhr das Schiff mehrere Modernisierungen, Umbauten und Neuvermessungen. So wurde im Jahr 1981, nachdem die Treibstoffpreise während der zweiten Ölkrise 1979/1980 drastisch gestiegen waren und der Gasturbinenantrieb in den weniger ausgelasteten Wintermonaten unrentabel geworden war, zusätzlich ein dieselelektrischer Antrieb (bestehend aus zwei Dieselgeneratoren und zwei Elektrofahrmotoren) eingebaut. Damit stieg die Gesamt-Maschinenleistung auf 80.800 KW (ca. 110.000 PS) und die max. erreichbare Geschwindigkeit auf 33,5 Knoten. In den Wintermonaten wurde jedoch fortan langsamer nur mit dem dieselelektrischen Antrieb und deutlich reduziertem Treibstoffverbrauch gefahren. 

G.T.S. Finnjet

1987 wurde das Schiff an die Reederei Silja Line verkauft und bediente bis 1997 weiterhin die Strecke Helsinki/Travemünde. Ab 1998 wechselten die bedienten Routen auf der Ostsee mehrfach. Im Jahr 2005 kam aufgrund von Unrentabilität dann das Aus für den Liniendienst auf der Ostsee. Insgesamt hat die Finnjet über 5 Mio. Passagiere befördert.

Und selbst ihr unrühmliches Ende 2008 am Abwrackstrand von Alang/Indien hält noch zwei Rekorde bereit:

  • Besterhaltenes Passagierschiff, welches in Alang jemals auf den Strand gesetzt wurde
  • Abwrackprojekt in Alang mit den größten Verlusten, was auf den ausgezeichneten Zustand des Schiffes und auf die Bauweise als Eisbrecher zurückzuführen ist

G.T.S. Finnjet

Techn. Daten bei Indienststellung

  • LüA:            212.80 m
  • Breite:        25.40 m
  • Tiefgang:        7.20 m
  • BRZ (GT):        23.000
  • Eisklasse:        1A Super
  • Max. Passagiere:    1532
  • Max. PKW:        350
  • Max. LKW:        53
  • Antrieb:        2 Gasturbinen Pratt & Whitney FT4C-1DLF
  • Leistung:        2 x 27.500 KW (ca. 75.000 PS)
  • Verbrauch:        2 x 120 kg / Minute
  • VMax:            30,5 Kn (31,1 Kn unbeladen)
  • 0 bis VMax.:        3 Minuten

G.T.S. Finnjet

Zum Modell

Bereits vor einigen Jahren hatte ich die Finnjet in der Version der Erstauflage von Revell von 1989 out of the Box gebaut.

Der Bausatz war seinem Alter geschuldet wenig detailliert, aber sehr passgenau und frei von Sinkstellen und Auswurfmarkierungen. Vor einigen Monaten fiel mir dann durch Zufall eine weitere Finnjet in die Hände. Diesmal als Neuauflage von Revell aus dem Jahr 2009.Der Bausatz wurde augenscheinlich schlecht gelagert und war wohl längere Zeit größerer Wärme ausgesetzt. Die Decals waren völlig unbrauchbar, die Seitenteile der Aufbauten der Länge nach verzogen. Der Rumpf wies eine riesige Auswurfmarkierung auf und auch andere Teile, besonders die Schornsteine, waren wenig passgenau. Das Promenadendeck war einige Millimeter zu kurz und im Heckbereich viel zu breit. Es war also von vornherein klar, dass hier eine Menge Spachtel- und Schleifarbeit sowie Warmverformung auf den Modellbauer warten würde.

G.T.S. Finnjet

Auch weil persönliche Erinnerungen mit der Finnjet verbunden sind, entschloss ich mich, das Modell (um-)zu bauen. Und zwar im Erscheinungsbild zum Zeitpunkt der Indienststellung des Schiffs: Mit dem schwarzblauen Rumpf, den korallenroten Decks, mit dem offenen Sonnendeck statt der Commodore Class Kabinen und ohne die zusätzlichen Abgasleitungen für die Dieselgeneratoren an den Aufbauten im Heckbereich.

Hierfür wurde das Promenadendeck zerschnitten und neu zusammengesetzt. Ebenso die Decksaufbauten. Ergänzt wurde beides durch aus Polystyrolplatten selbst hergestellte Teile. Auch die Decals wurden selbst gedruckt.

G.T.S. Finnjet

G.T.S. Finnjet

G.T.S. Finnjet

Gute Informationen und Fotos zum Schiff finden sich auf der Seite der Finnjet Historical Society (finnjet.fi/de). Hier steht auch die Vorlage für ein Kartonmodell des Schiffs als .pdf im Maßstab 1:250 zum freien Download zur Verfügung. Diese Vorlage habe ich auf den Maßstab 1:400 verkleinert, alle Seiten in ein Bildformat konvertiert und diese Bilder dann zum Teil als Druckvorlage für die Decals verwendet.

Als Farben kamen überwiegend Life Colours von Elita Modelle zum Einsatz. Für das Schwärzen der vielen nur angedeuteten Fenster wurde ein Edding 404 verwendet. Die Antennen bestehen aus Edelstahl-Federdraht. 

G.T.S. Finnjet

G.T.S. Finnjet

Das (Um)Bauprojekt war mein erstes dieser Art und ich musste einiges an Lehrgeld zahlen. Trotzdem hat es Spaß gemacht. Mit dem Ergebnis bin ich nicht zu 100% zufrieden - aber doch soweit, dass das Modell in der Vitrine neben seinem Alter Ego im Kleid der Silja Line seinen Platz gefunden hat.

G.T.S. Finnjet

Thomas Irle

Publiziert am 29. Juli 2026

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